Self Care reflektiert

Die Geschichte des Self Care‘s – Das Kümmern um sich selbst ist mehr als Kerzen und Kristalle

Self Care ist in aller Munde und bedeutet auf deutsch übersetzt so viel wie Selbstfürsorge. Allerdings zeigt die Geschichte des Wortes, dass es gleichermaßen als Selbsterhaltung übersetzt werden kann. Denn bereits in den 60ern & 70ern stand Self Care in Civil Rights Movements für die Erhaltung der Gesundheit und die Unterstützung untereinander. So entstanden unter anderem selbstorganisierte Krankenhäuser in den People of Color Communities. Denn sie wurden vom bis heute ethisch fragwürdigen amerikanischen Gesundheitssystem ausgeschlossen.

Durch die strukturelle Diskriminierung unterstütze das Praktizieren von Self Care auch zum Selbsterhalt. Dies war wichtig, um in einer feindlichen Welt zu überleben und psychische Belastungen zu reduzieren. So schreibt PoC Schriftstellerin Audre Lorde 1988 in ihrem Buch: "Caring for myself is not self-indulgence, it is self-preservation, and that is an act of political warfare." – Also nicht die Nachsicht mit sich selber, sondern der Selbsterhalt, als Akt der politischen Kriegsführung, bedeutet das Sorgen um sich selber.

Natürlich haben auch die alten Griechen ihre Finger im Spiel

Bevor marginalisierte Gruppen Self Care brauchten und es im Status Quo vom Kapitalismus konsumierbar gemacht wurde, sprach Sokrates bereits im antiken Griechenland von der erholsamen Kraft der Selbstsorge.

Schon damals hat Selbstsorge nichts mit Egoismus zu tun, sondern steht für die Pflege der Seele und dafür sich selbst zu kennen, um im Rahmen der „chain of care“ - also der Kette der Fürsorge für andere da zu sein und das Verständnis und die Lehre der Selbstsorge weiterzugeben.  

was Selv Care mit den Griechen zu tun hat
Sokrates integrierte „das Sorgen um sich selbst“ sogar in die Staatsführung

Führen und Leiten können nach der der sokratischen Philosophie nur die, die sich selber kennen und sich um sich selbst kümmern können. Denn nur wer weiß wer er ist, kann persönliche Prinzipien, Ethiken und Werte entwickeln, die dabei unterstützen, die eigenen Grenzen kennenzulernen und festzulegen und sich der eigenen Mittel und Möglichkeiten bewusst zu werden.

Grenzen zu setzen ist bis heute ein wichtiger Punkt, wenn es um Self Care geht. Zur Selbstfürsorge gehört nämlich auch das Pflegen der Beziehungen, die wir zu anderen haben. Ein respektvoller Umgang, das Verstehen von Grenzen und das Sorgen für einander ist das Fundament gesunder Beziehungen. Sich selbst mit Aufmerksamkeit, Respekt und Freundlichkeit zu behandeln ist dabei genauso maßgeblich, denn unser Verhalten uns selbst gegenüber spiegelt unsere Einstellung in den von uns geführten Beziehungen wider.

Self Care heute

Ende des 20. Jahrhunderts wurde Self Care zum ersten Mal mit Wellness in Verbindung gebracht, indem Unternehmen den „hart arbeitenden Menschen“ Produkte für Entspannung und Regeneration verkauften. Zwar wird Self Care auch heute noch von der WHO im Kontext des medizinischen Selbsterhalts definiert, Firmenbosse haben allerdings eine gesellschaftsfähigere und konsumgetriebene Idee von Self Care.

Self Care ist mehr als Selbstoptimierung

Problematisch ist hierbei, dass impliziert wird, dass wir fürs Lösen unserer gesundheitlichen Probleme selbst verantwortlich und irgendwelche Produkte für die eigene Selbstfürsorge unvermeidbar sind. Also ist das Sorgen um sich selber nur einer privilegierten Wohlstandsgesellschaft vorbehalten? Nein, natürlich nicht. Denn Schaumbäder, Self Care Routinen, Kerzen, Kristalle und Meditation sind nur ein kleiner Teil von Self Care, wie wir von den antiken Griechen lernen konnten.

Es geht um die intrinsische Motivation, sich selbst kennenzulernen und zu lernen Grenzen zu setzen. In die heutige Zeit übertragen bedeutet das so viel, wie sich eben keine Self Care Routinen aufzuzwingen, die nicht einhaltbar sind und viel mehr sich zu erlauben, Termine abzusagen, wenn man Zeit und Raum für sich selbst und seine eigenen Gedanken braucht. Auch geht es nicht um zwanghaft positives Denken oder dauerhafte Entspannung. Self Care kann durch das Reflektieren von eigenen Situationen und Werten auch ungemütlich werden. Und auch das ist OK!

Self Care ist kein Allheilmittel und ersetzt auch keine Therapie. Dennoch ist Self Care ein Begriff der das Thema mentale Gesundheit in den Vordergrund der Gesellschaft rückt und dahingehend das Bewusstsein für psychische Krankheiten schärft und das Thema im Allgemeinen enttabuisiert. Auch ist Self Care ein nie endender Prozess und hat somit rein gar nichts mit Selbstoptimierung oder Selbstdarstellung zu tun.

Self Care - nach den Sternen greifen
Nicht vergessen nach den Sternen zu greifen! 

Dein Team

vom Less Onlineshop  

 

🌏💙 Unterstütze nachhaltige Alternativen und reduziere deinen ökologischen Fußabdruck mit den Produkten des Less Onlineshop. Folge uns auf Instagram, Facebook, YouTube und Pinterest für mehr Informationen und spannende Posts. 

 

Entdecke weitere Artikel zu spannenden Themen:

🌿55 Achtsamkeitszitate: Schlüssel zur Ruhe und einem bewusstem Leben

🌿35 Zitate, die die Erde bewegen: Inspiration für Nachhaltigkeit und bewusstes Handeln

🌿Kreative Ideen fürs Tagebuch schreiben

🌿Was wir von Ländern aus dem Norden lernen können

🌿Waldbaden: Vorteile und Tipps zum ausprobieren

 

Quellen:

Berling, L.M. (2021). Reframing #selfcare: Wie wir das Konzept neu denken können, online verfügbar: hier
Hardy, J. (2017). Self-Care is So Much More Than a Fad, online verfügbar: hier
Korbig, J. (2019). Phänomen Self-Care: Warum Selbstfürsorge durchaus politisch sein kann, online verfügbar: hier
Nlemibe, L. (2022). Self-Care – Was ist das überhaupt?, online verfügbar: hier
WHO (2022). Self-care interventions for health, online verfügbar: hier

Einen Kommentar hinterlassen

Diese Website ist durch reCAPTCHA geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von Google.