Tipps für einen achtsamen Konsum im Alltag

Wie findet achtsamer, also bewusster Konsum statt?

Zunächst eine sehr spannende Frage. Woran denkst du als erstes, wenn du bewusster Konsum hörst? Ich persönlich denke vor allem an Klamotten, weil diese einen so großen Anteil am Konsum einnehmen und besonders durch negative Marktentwicklungen wie Fast Fashion und Ultrafast Fashion auffallen. Zudem habe ich meine Masterarbeit über Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie geschrieben und nach tiefgehenden Recherchen über menschenunwürdige Situationen in Näh-Fabriken und des Einsturzes der Textilfabrik Rana-Plaza in Bangladesch 2013, bei der 1135 Menschen ihr Leben verloren, kam es für mich nicht mehr in Frage nicht nachhaltig zu konsumieren – in alle Richtungen.

In alle Richtungen bedeutet für mich nachhaltiger Einkaufen, nachhaltiger Reisen, nachhaltiger Arbeiten und vor allem einen nachhaltigen und plastikfreien Alltag zu schaffen. Und natürlich auch alle Dimensionen der Nachhaltigkeit abzudecken.

Welche Nachhaltigkeitsdimensionen gibt es?

  • Soziale Nachhaltigkeit
    • Soziale Gerechtigkeit & Sicherheit für Jeden
    • Ausbeutung von Menschen stoppen: faire Bezahlung und menschenwürdige Arbeitsverhältnisse
  • Ökologische Nachhaltigkeit
    • Ressourcen schonen
    • Wertschätzung der Umwelt und Ökosysteme
  • Ökonomische Nachhaltigkeit
    • Nachhaltiges Wirtschaften
      • Nachhaltige Ziele verfolgen
        • Energiesparen
        • Hochwertige Rohstoffe
        • Faire Bezahlungen
      • Umweltschutz-Projekte fördern
      • Sensibilisieren und eine dauerhafte, durchdachte, nachhaltige Linie fahren (kein Greenwashing!)

Wie gehe ich die Sache an? Hinterfragen ist hier das A und O. Deshalb haben wir ein paar Leitfragen erstellt, wie wir mit mehr Bewusstsein an dieses heikle Thema ran gehen.

Leitfragen für einen bewussteren Konsum im Alltag

  • Warum und wie kann das so günstig sein?
    • Wie viele Menschen haben an dem Produkt gearbeitet?
    • Konnten bei dem Preis alle Beteiligten fair bezahlt werden?
    • Würde ich selbst unter solchen Bedingungen arbeiten wollen?
  • Welchen Weg hat das Produkt zurückgelegt?
    • Gibt es eine regionalere Möglichkeit das Produkt zu kaufen?
      • Beispielsweise eine Zahnbürste aus regionalem Holz, statt einer Bambus-Zahnbürste aus Asien?
    • Wenn Produkte aus internationalen Ländern kommen, die einen weiteren Weg zurückgelegt haben:
      • Sind diese Produkte klimaneutral? (Wenigstens durch Ausgleichzertifikate, was natürlich nicht das Gelbe vom Ei ist)
      • Kennt der Händler die Lieferkette und kann menschenwürdige Arbeitsbedingungen und faire Gehälter garantieren? 
  • Stimmt das Preis-/Leistungsverhältnis?
    • Wer billig kauft, kauft zweimal – Kriege ich ein Produkt auch nachhaltig und dafür hochwertiger? Langfristig denken!
    • Kosten pro Nutzen ausrechnen.
  • Fehlen mir Informationen zum Produkt?
    • Wenn uns eins bei der Recherche nach Lieferanten für unseren Shop aufgefallen ist, dann dass wenn Infos fehlen, diese meistens bewusst weggelassen werden, da es sich um Asien-Importe und Greenwashing Strukturen handelt.
  • Zu guter Letzt sollte man sich immer die folgenden Fragen stellen:
    • Bekomme ich ein Produkt auch regionaler?
    • Brauche ich das Produkt wirklich, welchen Mehrwert bietet es?
    • Wie gut ist ein Produkt ökologisch abbaubar?

Diese Fragen können dir eine Art Rahmen bieten, um bewusstere Konsumentscheidungen zu treffen. Wenn dir achtsamer Konsum nicht leichtfällt, kannst du natürlich auch „radikalere“ Mittel ergreifen und einen kompletten „No-Buy“ Monat einlegen, bei dem du bewusst absolut gar nichts kaufst. Da Lebensmittel unausweichlich gekauft werden müssen, kannst du ja vielleicht beim bewussten Einkauf von Lebensmitteln beginnen. Hier können folgende Fragen einen Leitfaden bieten.

Nachhaltig Lebensmittel einkaufen

  • Was brauche ich wirklich und was habe ich zuletzt nicht komplett aufgebraucht?
    • Am besten sowieso immer mit einem gut geplanten Einkaufszettel einkaufen gehen, um Lebensmittelreste zu vermeiden. Je kürzer die Perioden der Einkäufe sind, desto eher lässt sich die Verschwendung von Lebensmitteln vermeiden.
  • Was kann ich regional einkaufen?
    • Wo ist der nächste Wochenmarkt?
    • Habe ich Zugang zu Hofläden?
    • Kann ich Grundlebensmittel in einem Unverpacktladen einkaufen?
  • Lege ich Wert auf Bio-Lebensmittel für meine Gesundheit?
    • Was für Mehrwegprodukte kann ich in Bio-Läden kaufen?
      • Milch, Cuisine, Olivenöl, Apfelessig gibt es im Bioladen häufig in Mehrwegverpackungen, sodass Müll eingespart werden kann.
      • Kann ich meinen eigenen Bio-Leinen Brotbeutel zum Brötchen & Brot kaufen mitnehmen?
    • In großen Supermärkten: Wer druckt schon Greenwashing-Maßnahmen auf die Verpackung?
      • Denn nur wenn auf einer Verpackung steht, dass etwas zu so und so viel Prozent recycelbar ist, heißt das noch lange nicht, dass sich das Unternehmen auch darum kümmert, dass dieses Produkt recycelt wird. Deshalb auch so „Kleinigkeiten“ immer hinterfragen!

 

Die Abfallpyramide und Bausteine des nachhaltigen und achtsamen Konsums

Nachdem die wichtigsten Fragen für Einkäufe aller Art geklärt sind (wenn dir noch welche einfallen, schreib sie gerne in die Kommentare!) möchte ich zum Schluss noch die Abfallpyramide für Kreislaufwirtschaft vorstellen.

Abfallpyramide - cradle to cradle

In Anlehnung an, Quelle: Cradle to Cradle – Kreislaufwirtschaft https://www.cradletocradle-kreislauf.de/kreislaufwirtschaft-die-abfallpyramide/

Kreislaufwirtschaft, auch cradle to cradle, bedeutet die umfangreiche und vor allem auch die wertschätzende Verwertung von Produkten, Abfällen und Materialien in einem Kreislauf, der Produktlebenszyklen erneuert statt sie zu beenden. Auf Grundlage der Abfallpyramide haben wir Bausteine für einen bewussten Konsum näher definiert. Diese können auch eine grundlegende Unterstützung sein, Nachhaltigkeit im Alltag zu etablieren und achtsame Konsummuster aufzubauen.

  • Vermeiden
    • Vor einem Kauf die Nützlichkeit und Langlebigkeit eines Produktes in Frage stellen.
      • Brauche ich das Teil oder hängt es nur im Schrank?
      • Kann ich mir das Produkt für den Anlass bei einem Bekannten leihen?
      • Kann ich Plastik oder generell Müll vermeiden?
    • Reduzieren
      • Wertschätzung von Ressourcen, wie Materialien, Energie und Wasser.
        • Bei Stand-By Geräten über Nacht komplett den Stecker ziehen
        • Mit vorgeplanten Einkaufszetteln bewusst Lebensmittel kaufen
        • Wasserhahn nicht sinnlos laufen lassen
        • DIY Produkte oder Lebensmittel
      • Wiederbenutzen
        • Nochmal benutzen, nochmal anziehen und sich vom Gedanken verabschieden, immer das Neuste vom Neusten besitzen zu wollen.
          • Mehrweg-Produkte kaufen, um auch langfristig Geld zu sparen.
        • Verschenken
          • Du brauchst etwas nicht mehr? Wer könnte denn noch was damit anfangen?
            • Freunde/Familie
            • Nachbarn
            • Kitas/Kinderheime
            • Gemeinnützige Organisationen
          • Upcyclen
            • Etwas neues Schaffen
              • Deko aus alten Materialien basteln
              • Klamotten zu neuen Lieblingsstücken, Patchwork-Decken oder Putzlappen nähen
              • Zero Waste Produkte, mit Liebe zum Detail, kaufen
            • Reparieren
              • Hier ist ein Hoch auf YouTube angebracht. Und wenn YouTube nicht helfen kann, dann ist Google dein bester Freund.
              • Sonst mal die älteren Generationen fragen, die kennen es noch, dass Dinge repariert werden.
            • Kompostieren
              • Bio-Abfall kompostieren und wertvolle Rohstoffe für deinen Garten oder Balkon schaffen.

or REGROW it

  • Lebensmittel, die du mit Wurzel kaufst, einfach wieder einpflanzen oder Stecklinge züchten.
  • Recyclen
    • Wenn sonst kein Baustein anwendbar ist, dann geht es darum den Kreislauf des Materials oder Produktes zu schließen.
    • Altpapier zum Beispiel ist auch eine Form des Recyclens, denn es mussten keine neuen Bäume sterben.
    • Oft ist der Energiebedarf fürs Recyclen sehr hoch, aber hier einfach wie oben bereits erwähnt schauen, ob es klimaneutrale Produkte sind.

 

Fazit

Ich hoffe du fühlst dich nicht überfahren von den vorgeschlagenen Fragen und Ideen für einen bewussten Konsum. Vielleicht hast du auch eine andere Herangehensweise, dann würde ich mich freuen davon zu hören!

Zum Schluss möchte ich euch noch Fragen zusammenfassen, um einen Überblick zu bieten und deinen bisherigen Konsum zu reflektieren:

  • Wo kann ich noch mehr drauf achten?
  • Welche Möglichkeiten habe ich finanziell und durch meinen Wohnlage?
  • Kann ich mir ein eigenes Stufenmodell zur Umsetzung, mit meinen eigenen Prioritäten erstellen?
  • Was mache ich bisher schon richtig gut?
  • Wer könnte sich noch für das Thema interessieren?

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